Schullandschaft gehört auf den Prüfstand

Noch vor zwei Jahren lag das Interesse der Eltern von Grundschülern in Dessau-Roßlau, die in die Gymnasien der Stadt drängten, bei 60 Prozent. Klar, die Eltern sehen die Unterschiede zwischen der Anerkennung eines Abschlusses an Sekundarschulen und Gymnasien. Lieber ein schlechter Gymnasialabschluss, aber dafür ein guter Ausbildungsplatz. Unter Corona hat sich die Lage drastisch geändert. Viele wissen nicht, was ihr Kind nach all den Versuchen, Unterricht digital und mit Klassenteilung aufzufangen, wirklich kann. Nur noch 36 Prozent der Eltern möchten ihr Kind an einem Gymnasium anmelden. Da rückt als Alternative eine Schule in den Blick, die ganztägige Gemeinschaftsschule Zoberberg, die seit Jahren einen integrierten Übergang zur Abiturstufe anbietet. Dort kann man die Sekundarschule besuchen und wenn der Knoten etwas später platzt, auch den Weg zum Abitur schaffen. Also wollen jetzt viele Eltern dort hin und das vollkommen zu Recht, denn es ist ein eigenständiges Schulangebot. Aber es gibt nur eine solche Schule. Deshalb wurde der Einzugsbereich aufgehoben und ein Losverfahren vorgeschaltet, um den Andrang zu regeln. Gleichzeitig wurden aber die Grundschüler aus dem ehemaligen Einzugsgebiet Kochstedt und Mosigkau „ausgesperrt“ und diese sollen nun an Sekundarschulen im übrigen Stadtgebiet gehen. Das sorgt für Unruhe und berechtigtes Missfallen und auch für die Organisation von zusätzlichem innerstädtischem Schülerverkehr.
Fazit: Es fehlt mindestens eine weitere integrierte Gemeinschaftsschule im Innenstadtgebiet und wenn man die aktuell ansteigende Zahl an Kindern in den Kitas schaut, auch wohl eine weitere Sekundarschule. Was wäre das für ein Signal, wenn Dessau-Roßlau nicht nur neue Kitas baut, sondern demnächst auch eine neue Schule. Demnach müsste das Schulkonzept der Stadt mindesten erst einmal um eine weitere integrierte Gemeinschaftsschule ergänzt werden, aber der Versuch an den Sekundarschulen einen weiteren Lehrkörper von diesem Konzept zu überzeugen scheiterte bisher. Es ist fraglich und untauglich, das der Lehrerschaft zu überlassen. Ein solches Konzept braucht Begleitung, aber nicht durch die städtische Schulverwaltung, denn die ist für die Infrastruktur verantwortlich. Vielmehr ist es Sache des Landesschulamtes, das für die inhaltliche und fachliche Ausgestaltung der Schullandschaft zuständig ist, aber von dort kommt nichts. Es ist dringend Aufgabe der Landespolitik hier auf die Behörde einzuwirken und strukturelle Änderungen herbei zu führen, wobei dabei aber jetzt schon klar ist, auch dafür fehlen die nötigen Lehrkräfte. Die Bildungspolitik von Minister Tullner, aber auch schon seiner Vorgänger, ist massiv gescheitert und gehört korrigiert. Alle Vertreter der gegenwärtigen konservativen Regierung tragen das untaugliche dreigliedrige Schulsystem. Das gehört dringend aufgebohrt und dafür wären mehr integrierte Gemeinschaftsschulen im Land die Brücke und das im Übrigen auch, um unsere Berufsschulzentren aufzufangen, die bei der Abiturstufe die passenden Kooperationspartner sind. Für DIE LINKE ist das ein drängendes Thema.
Frank Hoffmann
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